Text: Wolfgang Hommann
Fotos: Wolfgang Hommann, Marc Keiterling
Online seit: 24. Dezember 2017

War es nicht so, dass wir 1976, in meinem Fall im zarten Alter von 15 Jahren, noch bis „in die Puppen“ schlafen konnten? Die Mutter gefühlte drei- bis sechsmal zum Wecken kam und zum Frühstück rief? Der Vater schon längst am Familiensonntag draußen vor der Tür mit Naturschwamm und zwei Eimern Wasser das Auto wusch?

Schnell den Hagebuttentee „genossen“- natürlich mit ordentlich ungesundem Zucker - und ein halbes Brötchen, dass zuvor der Bäckersjunge in den an der Haustür gehängten Beutel gelegt hatte, mit Margarine bestrichen und fix nach draußen: Papa bei der Autopflege helfen.

Mein Job: Den Innenraum mit dem Sauger reinigen. Die schwarzen Stoffpolster gehörten zu einem Taunus L, welcher der Stolz der gesamten Familie war, nachdem sein Vorgänger, ein Käfer 1203, nach vielen Jahren seinen Dienst wegen durchgerosteter Schweller quittieren musste.

Wolfgang Hommann stieß in diesem Jahr neu zum CCD.

Wolfgang Hommann stieß in diesem Jahr neu zum CCD.

Montage einer Nockenwelle

Heute benennt man unseren damaligen Taunus als „Knudsen“. Damals war es das Auto, welches uns nach Jugoslawien in den Urlaub brachte und immerhin erst dort undicht wurde. Eine Allerwelts-Wasserpumpe ließ sich im benachbarten Italien schnell besorgen, Vater konnte sie auch ohne Vorkenntnisse rasch tauschen.

Ebenso - jetzt wieder daheim - die bald eingelaufene Nockenwelle. Die wurde für 49 Deutsche Mark beim örtlichen Ford-Händler geordert und ließ sich ohne Spezialwerkzeug vor der Wohnung am Straßenrand einbauen. Damals bekam der Knudsen vom ADAC die „Silberne Zitrone“, ein unpopulärer Preis, mit dem der Neuwagen mit den meisten Pannen und Herstellungsfehlern „bestraft“ wurde. Heute erntet so ein Typ wohl eher Beifall vom Fachpublikum, wenn man denn einen sein Eigen nennen dürfte.

Familie Hommann im italienischen Campingurlaub. „Im Bild sind von links Campingfreund Giorgio, Tante Ulla mit Neffe Dirk, meine Schwester, ich der Spargel, die Mutter von Giorgio sowie Mutter und Vater Hommann zu sehen“, schreibt Wolfgang zu diesem Bild mit dem „Knudsen“ und Onkel Lothars 12m.

Familie Hommann im italienischen Campingurlaub. „Im Bild sind von links Campingfreund Giorgio, Tante Ulla mit Neffe Dirk, meine Schwester, ich der Spargel, die Mutter von Giorgio sowie Mutter und Vater Hommann zu sehen“, schreibt Wolfgang zu diesem Bild mit dem „Knudsen“ und Onkel Lothars 12m.

In der Gegenwart werde ich auch am Wochenende ohne Unterstützung recht früh wach, niemand ruft mich zum Frühstück und das Autowaschen auf der Straße ist verboten. Trotz diverser anderer Hobbys denen ich nachgehe, sowie einem 60-Stunden-Job, verlangte meine Bettflucht im letzten Jahr endlich nach einem anspruchsvollen Ausgleich. Ein Youngtimer sollte diesem Gedanken gerecht werden. Natürlich sollte es ein Ford werden, der eigenen Geschichte geschuldet.

Wurde der Kunde in 70-er und 80-er Jahren beim Autokauf vom Verkäufer mit Namen und freundlichen Handschlag wertgeschätzt und gab es ein Sektchen für Mutter am Stehtisch, ging es mit Verkäufer Nummer zwei zur Probefahrt. Gerne mit quietschenden Reifen in der Autobahnabfahrt. Wir Kinder im Fond ohne Sicherheitsgurt am Handgriff festgeklammert, überzeugte uns der Probant mit der unübertrefflichen Straßenlage der Starrachse des Taunus GLX. Herrlich war es! Die für die Finanzen zuständige Mutter allerdings bremste Vater und Sohn ab, der L musste reichen.

40 Jahre später sollte mein Ford auch deswegen ein sportlicher Capri werden. Ich hatte einige Wunschvorstellungen was Ausstattung und Farbe angeht und wollte deutlich unter 10.000 Euro bleiben.

Null Capri rundherum um Iserlohn

So bediente ich mich der einschlägigen Internet-Autoportale und staunte nicht schlecht, als bei der Eingabe mit einem Umkreis von 200 Kilometern exakt null Capri meiner Vorstellung zu finden waren. Um nun nicht unnötig durch halb Deutschland fahren zu müssen, sehnte ich mich nach Unterstützung. Die Suchmaschine listete ganz oben den CCD auf.

Ein übersichtlicher, haptischer Netz-Auftritt dessen Seite man ohne Anleitung bedienen kann, bewirkte durchaus ein Staunen in mir. Selten sind doch so professionelle Homepages zu finden. Ein wenig ereilte mich der Gedanke: „Vielleicht doch nur ein Club für gut betuchte Menschen“? Wie auch immer, Eines war deutlich geworden: Ich bin nicht alleine mit meinen Wünschen und Interessen. Schnell fand ich unter „Namen und Personen“ Gesichter und Telefonnummern des CCD.

Der Erreichbarkeit und geographischen Nähe folgend, hatte ich Michael Roth, unseren 3. Vorsitzenden, am anderen Ende der Telefonleitung und ich versuchte mit möglichst wenigen Worten mein Anliegen vorzutragen. Geduldig hörte er mir zu - nix mit elitär und so. Ein kompetenter und sympathischer Gesprächspartner! So gab Michael mir gleich, wie sich noch herausstellen sollte, einige „überlebenswichtige Tipps“, die ich eifrig mitschrieb, um mich dann mit diesen strukturierter auf die Suche zu machen.

Nach rund 2000 Kilometern, zehn angeschauten Autos und diversen weiteren Erfahrungen hatte ich nach rund drei Monaten gelernt, was so mancher Anbieter unter Rostfrei, erste Hand oder Familienbesitz als Qualitätsmerkmale verstehen: „Wenn er erstmal 20 Minuten gefahren wurde, läuft er eigentlich ganz ruhig“. Danke, alles Gute!


Mit schier endloser Geduld und Ruhe begleitete mich Michael ferndmündlich durch diese Wochen. Von ihm kam schließlich auch der entscheidende Hinweis: „Ich habe da eine Telefonnummer bekommen. Vielleicht rufst du dort mal an!“ Das tat ich umgehend und ich fand am anderen Ende von Deutschland einen eher überraschten Capri–Besitzer, der wohl mal vorhatte, irgendwann sein Auto zu verkaufen. Recht vage also zum Start, zehn Fotos und einen weiteren Anruf weiter saß ich bereits einen Tag später um 4 Uhr morgens im Auto um nach Freiburg zu fahren. Eine freundliche Begrüßung und vorsichtiges Herantasten an das Objekt der Begierde ließen meine Rückenschmerzen samt Müdigkeit vergessen: Fand ich bei dem inzwischen „Vorbesitzer“, der hier leider namentlich nicht genannt sein möchte, ein sympathischen Menschen der keinerlei Ambitionen zeigte, sein Auto zu „vermarkten“.

Verkauft er? Oder verkauft er nicht?

 

Hinein in die Halle, beheizt, mit Teppichboden ausgelegt und mit Hebebühne ausgestattet. Gott, wenn es mal sein muss, lass es hier zu Ende gehen! Da stand er, schön war er, schön, schön, schön und weiß und ein wenig tiefer.

Wäre es eine Anmaßung gewesen auch nur nach etwaigen Rost oder Reparaturrückständen zu fragen, geschweige denn nach Feuchtigkeit im Innenraum? Gar nach neuralgischen Stellen im Scheinwerferkasten oder B-Säule? Schon gar nicht nach den Blattfederaufnahmen. Nein das hätte sich nicht gehört. Niemals! Und darum habe ich das auch nicht getan. Eher zögerlich schob mir der Besitzer dieses „Neufahrzeuges“ ein Mäppchen rüber: Wertgutachten, Note 1. War klar. Der Schlüssel wurde gedreht und er sprang an, wie ein Neuwagen, natürlich. Vorsichtig wurde er warmgefahren und dann durfte ich an das Ledersteuer, kein Reifenquitschen in der Ausfahrt, dafür ein sonores, (un)aufdringliches Brummen, eine sauber, weich schaltende Automatik und ein Kurvenverhalten wie auf der Kartbahn. Schubstreben halt! Der leicht mattierte Rückspiegel quittierte mein Dauergrinsen. Meine Entscheidung war endgültig gefallen. Und die meines Gesprächspartners? Um es hier abzukürzen, wir gaben uns die Hand drauf. Deal!

Wie ein Museumsstück präsentierte sich der Capri aus Freiburg beim Ortstermin von allen Seiten.

Wie ein Museumsstück präsentierte sich der Capri aus Freiburg beim Ortstermin von allen Seiten.

Einen Ölwechsel und eine „längere“ Hinterachse später war mein Capri abholbereit und der frühe ICE brachte mich auf die Minute pünktlich zum Ziel. Kein Sekt am Stehtisch, dafür ein Tränchen im Augenwinkel meines Gegenüber und ein Bierchen unter der Hebebühne besiegelten den Wechsel dieses, in meinen Augen, einzigartigen Capri. Das gute Super rein und 550 Kilometer - ab Frankfurt im Dauerregen - nach Hause. Das tat er ohne Zicken, „mein“ Capri. Nach 18 Stunden auf Schiene und Strecke schlief ich wie damals am nächsten Morgen „bis in die Puppen“.

Ein Bild wie aus der britischen Fernsehserie „Die Profis“: Capri parkt vor sehenswertem Landsitz. Doch dies hier ist nicht die Grafschaft Essex. Zu sehen ist vielmehr Wolfgangs erster und aktueller Capri.

Ein Bild wie aus der britischen Fernsehserie „Die Profis“: Capri parkt vor sehenswertem Landsitz. Doch dies hier ist nicht die Grafschaft Essex. Zu sehen ist vielmehr Wolfgangs erster und aktueller Capri.

Michael Roth erkundigte sich nach geringer Zeit bei mir, eine „Mitfreude“ war herauszuhören, und er gab mir dazu den Hinweis auf den nächsten Workshop in Ingelheim zum Thema Hinterachse. Gerne notierte ich mir diesen Termin mit der festen Absicht die „Menschen von der Webseite mit Gesicht“ in Ingelheim auch einmal persönlich kennenlernen zu wollen. Der Beitritt in den CCD war fix geschehen und der Clubausweis lag 14 Tage später im Briefkasten.

Danach wurde der Ersatzteileshop gleich ausprobiert. Wenn man ein Ersatzteil sucht, ohne zu wissen wie man es überhaupt benennt, helfen hier diverse Explosionszeichnungen und Bildchen um die benötigte „Schachtleistendichtung“ zu einem fairen Preis zu finden und zur Übergabe am Teilestand in Ingelheim zu bestellen.

Eine kurze Nachricht per Mail an unseren 2. Vorsitzenden, Wolfgang Stein, macht selbst solche Wünsche unkompliziert durchführbar. Und auch die Qualität der Päckchen die an die Tür gebracht werden, sticht heraus.

Und wo ich schon mal in „Schreiblaune“ geraten bin, mache ich auf den folgenden Seiten gleich weiter. Mit dem Bericht zum Workshop 2017.