Das Hambacher Schloss ist immer einen Ausflug wert: Kai Tobie und sein Ford Capri.

Das Hambacher Schloss ist immer einen Ausflug wert: Kai Tobie und sein Ford Capri.

Wenn Capris in den Medien auftauchen…“ – so beginnt der Satz, wenn die Aktuell Berichterstattungen über unser Lieblingsauto in einer Zweitverwertung aufgreift. Unser Clubmitglied Kai Tobie weckte mit seinem Wagen das Interesse der größten Tageszeitung in der Pfalz. „Die Rheinpfalz“ druckte am 25. Februar 2021 einen Bericht über den Mann aus Limburgerhof mit dem Kölner Coupé. Er war mit Autor Claus Jürgen Holler und Fotograf Kai Mehn unterwegs, wir danken der „Rheinpfalz Verlag und Druckerei GmbH“ für die freundliche Genehmigung zur Übernahme des Artikels.

Zu Hause waren sie in Vorstadtgaragen, ihr Jagdrevier waren Disco-Parkplätze: Opel Manta und Ford Capri waren die Lifestyle-Coupés der 70er- und 80er-Jahre. Viele von ihnen endeten an Straßenbäumen, als verbaute Tuningkarossen oder an der Grube des TÜV-Prüfers. Einige haben überlebt – wie der Capri 2.3 S von Kai Tobie. Tobie, ein waschechter Hambach-Fan, den es beruflich mittlerweile nach Limburgerhof verschlagen hat, hat sich auf unseren Aufruf gemeldet und wollte uns sein Garagengold vorstellen: Einen Capri der dritten Generation, die zwischen 1978 und 1986 gebaut wurde.

Charakteristisch für den Capri ist die langgezogene Schnauze und der „böse Blick“ der oben angeschnittenen Doppelscheinwerfer im Kühlergrill. Optisch ein typischer Muscle-Car – der Capri war die europäische Antwort auf den in Amerika überaus erfolgreichen Mustang – kam er leistungsmäßig allerdings eher schwachbrüstig daher: Zum Einstieg gab es damals zwei 1600er-Vierzylinder-Triebwerke mit 68 beziehungsweise 72 PS, für den Sprint von 0 auf 100 nahmen sich diese Capris um die 15 Sekunden Zeit. „Ein Vierzylinder wäre mir zu klein gewesen“, sagt denn auch Tobie, der viele Jahre auf der Suche nach seinem Traum-Capri war – mit sechs Zylindern unter der Haube. Davon waren seinerzeit gleich drei im Angebot, mit 2,0, 2,3 oder 2,8 Litern Hubraum, wobei die Spitzenmotorisierung etwa 185 PS auf die Hinterachse transportierte und dem Capri den Ruf der Heckschleuder einbrachte. Für Traktionsprobleme bei Nässe reicht freilich auch die 2,3 Liter-Maschine von Kai Tobie mit ihren 114 PS – etwa so viel wie der GTI im Golf I. „Wenn man im Regen nicht dran denkt, schlenkert man schon auf die Autobahn“, weiß Tobie.

Doch mit seinem Capri ist er in der Regel eher kommod unterwegs – auf Tagesausflügen mit seiner Freundin, immer gerne aber auch bei Oldtimer-Rallyes in Kaiserslautern, Ramberg, Baden-Baden oder Freiburg. „Da trifft man immer nette Leute und es gibt gute Gespräche“, berichtet der IT-Fachmann mit Benzin im Blut – dem Auslöser dafür, dass er sich vor vielen Jahren auf die Suche nach seinem Traum-Capri machte.

Etliche Autobahn-Kilometer absolvierte er dabei für die Besichtigung diverser verbauter Ruinen, Rostlauben oder notdürftig verkaufslackierter Garagenfunde: „Da wollten mir Leute ernsthaft erklären, dass es normal war, dass Seitenscheiben mit Badezimmersilikon eingepasst sind“, schüttelt er den Kopf. 2015 stieß er dann aber auf eine vielversprechende Anzeige: in Offenburg stand ein Capri V6 zum Verkauf, 15 Jahre stillgelegt mit original 85.000 Kilometern auf der Uhr. Vor Ort fand er dann das blaue Coupé vor, in vergleichsweise gutem Zustand und zu einem Preis, den er sich leisten konnte, aber mit Automatikgetriebe – für Tobie eigentlich ein No-Go.

Auch das Armaturenbrett ist ein echter Hingucker.

Auch das Armaturenbrett ist ein echter Hingucker.

„Meine Freundin hat mir dann aber die Pistole auf die Brust gesetzt“, erinnert er sich: „Wir haben uns so viel Schrott angeschaut, den nimmst Du jetzt“, habe sie gesagt. Und so traten sie aus Baden-Württemberg die Rückreise in die Pfalz an, mit den Capritypischen Roststellen an der A-Säule und den Radläufen sowie einem Motor mit wenig Kompression: „Der blaue Rauch aus dem Auspuff passte ganz gut zur verblichenen Wagenfarbe, aber auf Dauer wurde mir das Öl dann doch zu teuer“, erinnert er sich. Und so wurde die Karosserie bei einer befreundeten Werkstatt auf Vordermann gebracht, dem Capri neuer Lack in Originalfarbe spendiert und dem Motor in Bayern eine Generalüberholung gegönnt.

Maximal Tempo 100 galt für die ersten Kilometer, „da haben mich die Lastwagen auf der Autobahn überholt“, sagt er über eine gefühlt sehr lange Rückfahrt, doch die Entschleunigung am Volant des Sportcoupés sei bis heute geblieben. „Mit so einem Auto hat man’s nicht eilig“, ist er überzeugt.

Man sollte es auch nicht eilig haben, denn allein die Präsenz des 38 Jahre alten Wagens sorge für reichlich Gesprächsstoff mit Passanten: „Fast jeder hat eine Geschichte zum Capri zu erzählen, und sei es nur die, dass der Betreffende selbst von solch einem Auto träumte, dann aber doch ein Granada dabei rauskam“, berichtet Tobie von zahlreichen spontanen Unterhaltungen beispielsweise an der Zapfsäule.

„Das Auto weckt positive Emotionen“, so seine Erfahrung: Gerade bei Oldtimer-Veranstaltungen blieben Passanten eher an seinem Ford stehen, als dass sie mit den Fahrern historischer Porsche plauderten. Allzu forsche Fahrweise empfehle sich allerdings auch noch aus einem anderen Grund nicht: Die Bremsen seien für das Fahrzeug eigentlich unterdimensioniert, weshalb viele Capri-Fahrer auf Umbauteile aus der Granada-Reihe setzen würden: „Das habe ich nicht gemacht, ich fahre lieber vorausschauend und lasse es langsam angehen.“ Vielleicht mit ein Grund, dass sich der Wagen mit vergleichsweise bescheidenen 12 Litern zufrieden gibt – freilich vom guten Super plus …

Fast 30.000 Kilometer hat Tobie mittlerweile mit seinem Ford zurückgelegt, weitgehend pannenfrei, wie er betont: „Eigentlich wäre das ein tolles Alltagsauto, aber dafür ist er mir zu schade“, sagt er. Dass der Capri ein wenig zum Familienmitglied geworden ist, merkt man auch an den Details, die Tobie seinem Coupé spendiert hat: Aus dem Antiquariat hat er sich eine Originalausgabe des Playboy vom April 1983, dem Datum der Erstzulassung, besorgt, auf der Heckscheibe prangt ein zeitgenössischer „Atomkraft – nein danke!“-Aufkleber, und zurzeit ist er auf der Suche nach einem passenden Kindersitz: Sein kleiner Sohn soll endlich auch mitfahren dürfen, sich in sechs Jahren vielleicht darüber freuen, dass er „von einem coolen Papa nicht mit einem Geländepanzer in die Schule gefahren wird“ und zu seinem 18. Geburtstag möglichst sagen: „Den will ich haben, Papa.“

Mal abgesehen von kleinen Schönheitsfehlern wie dem gerissenen Armaturenbrett könnte der Capri das durchaus erleben. Ob die Oldies dann aber noch solche Sympathieträger wie heute sind, will Tobie nicht beschwören: „Heute sind Fahrzeuge mit H-Kennzeichen durchaus akzeptiert, aber wenn immer mehr Schindluder getrieben wird, könnte die Stimmung kippen“, sagt er im Hinblick auf so manches Fahrzeug ohne jeglichen musealen Charakter, das ihm schon begegnet ist.

[Text: Claus Jürgen Holler - Fotos: Kai Mehn - Quelle: Die Rheinpfalz]