Bei der Olympia-Rallye ´72 beeindruckten Walter Röhrl und Co-Pilot Hannes Rothfuß mit ihrem Capri RS von Kleint nicht nur die Konkurrenz nachhaltig. Es war Röhrls Start in eine Traumkarriere.

Bei der Olympia-Rallye ´72 beeindruckten Walter Röhrl und Co-Pilot Hannes Rothfuß mit ihrem Capri RS von Kleint nicht nur die Konkurrenz nachhaltig. Es war Röhrls Start in eine Traumkarriere. Foto: Wilheim Mester

Im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 1972 in Kiel und in München gab es eine Rahmenveranstaltung, die in der Art bis heute so nicht mehr in Deutschland zu sehen war. Über 400 Nennungen und über 300 Teams starteten zur Olympia-Rallye ´72, die zur Europa- und für acht nationale Meisterschaften gewertet wurde. Nun, 50 Jahre später, heißt es: „Vollgas zurück“. Unser Lieblingsauto spielt dabei eine riesengroße Rolle. Mit dem „Rallye-Gott“ selbst am Steuer.

Die Neuauflage der Olympia-Rallye ´72 wird sicherlich eine unvergleichliche Veranstaltung werden. Nicht nur die herausfordernde Länge der Veranstaltung mit 2252 Kilometern in sechs Tagen vom 8. bis zum 13. August wird eine Rolle spielen.

Dem Veranstalter geht es nach eigener Auskunft um eine moderne Interpretation und weniger um eine Kopie der Rallye von 1972, denn die Legende von vor 50 Jahren sei ohnehin nicht zu toppen. Die Integration von möglichen Original-Wertungsprüfungen sei ebenso wichtig wie Geselligkeit und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Bewusst soll ein Spagat zwischen dem historischen Erbe der Olympia-Rallye von 1972 und einer modernen Gleichmäßigkeits-Rallye für Oldtimer umgesetzt werden.

Walter Röhrl am Steuer des Capri vor 50 Jahren.

Walter Röhrl am Steuer des Capri vor 50 Jahren. Foto: Klaus Frieg

Dass der Andrang auf die größte Oldtimer-Rallye Deutschlands groß werden würde, hatten viele erwartet. Doch damit hatte wohl niemand gerechnet: Für die Fahrt von Kiel nach München hat sich ein extrem vielfältiges Starterfeld zusammengefunden. Schon Ende Februar waren Fahrzeuge von 41 verschiedenen Marken gemeldet, mehr als 170 Typen werden an den Start gehen. Im Feld der maximal 197 Teams aus neun Nationen wird es somit kaum zwei Fahrzeuge eines Typs geben. Allein über 100 Teilnehmer starten in den Klassen 1 und 2 für Rallyefahrzeuge bis beziehungsweise nach der Olympia-Rallye ‘72.

Der „Rallye-Gott“: Vor 50 Jahren begann die Karriere des Walter Röhrl bei dieser Veranstaltung. Damit war der Grundstein gelegt für die einzigartige Geschichte des Rallyefahrers des Milleniums. Der geniale Pilot wird dabei unter anderem auch wieder am Steuer seines damaligen Autos sitzen: einem Capri RS, präpariert von der Firma Kleint aus Hamburg.

Wertungsprüfung 27 auf dem Hockenheimring.

Wertungsprüfung 27 auf dem Hockenheimring. Foto: Klaus Frieg

Auf der Startrampe.

Auf der Startrampe. Foto: Wilhelm Mester

Gleich die erste Wertungsprüfung damals, am 18. August 1972 in Mölln, ließ mächtig aufhorchen. Röhrl und Co-Pilot Hannes Rothfuß markierten die Bestzeit in 2:28 Minuten. 133 Stundenkilometer im Schnitt. Der Rallyeleitung war das nicht geheuer. Wie kann es sein, dass ein unbeschriebenes Blatt schneller ist als Cracks wie die französischen Alpine-Treter Jean-Pierre Nicolas und Bernard Darniche, BMW-Ass Achim Warmbold oder der Finne Hannu Mikkola im Escort? Genau, das muss wohl ein Zeitnahmefehler gewesen sein, hieß es. Und deswegen strichen sie kurzerhand Röhrls Zeit. „Allerdings bloß so lange, bis sie gesehen haben, dass wir auch auf den anderen Prüfungen extrem schnell waren“, amüsierte sich Röhrl später. „Dann waren wir wieder in der Wertung.“

Gezeigt, wo der Hammer hängt

Die vier Tage im gelb-blauen Capri haben Röhrls Leben verändert, obwohl es kein Happy End gab. Ausgerechnet in heimatlichen Gefilden, auf der Anfahrt zur Wertungsprüfung auf der Sandbahn im niederbayerischen Plattling, gab der Motor warnende Geräusche von sich. Röhrl: „Ein Pleuellager war kaputt. Wir haben aufgehört, bevor’s ihn ganz zerreißt. Wir sind da in Führung gelegen, das war schon bitter. Aber für meine Karriere war die Olympia-Rallye trotzdem ein Raketenstart. Ich konnte mit dem Capri den Profis zeigen, wo der Hammer hängt. Die Medien sprachen von einer Supershow und für mich bedeutete es den internationalen Durchbruch.

Jetzt bekam ich Angebote von mehreren Herstellern und Tunern. Herr Neerpasch, der kurz zuvor von Ford zu BMW wechselte, sah in mir sogar den zukünftigen BMW-Rennfahrer. Ich wollte aber Rallyefahrer bleiben und nahm das Angebot für meinen ersten Fahrer-Vertrag von Herrn Preikschat bei Opel an. Unter der Führung des Opel-Tuners Günther Irmscher bereitete ich mich mit meinem neuen Beifahrer Jochen Berger auf meine erste Rallye Monte-Carlo und eine spannende Saison ´73 vor. Ein Leben im Rallyesport sollte mir bevorstehen und die Weichenstellung dafür war bei der Olympia-Rallye.“

Legendäre Sprüche einer Legende

Legendär wie seine einzigartige Fahrkunst waren auch stets die Sprüche des heute 75-Jährigen. Eine kleine Auswahl:

Gute Fahrer haben die Fliegenreste auf den Seitenscheiben.

Als ich mit dem Spurhalteassistenten Probe gefahren bin, war mein Urteil: funktioniert, aber ist ein weiterer Beitrag zur Verblödung der Menschheit.

Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen.

Man kann ein Auto nicht wie ein menschliches Wesen behandeln, es braucht Liebe.

Fährste quer, siehste mehr.

Ein Auto ist erst dann schnell genug, wenn man morgens davor steht und Angst hat, es aufzuschließen.

Die wahre Kunst der Fahrzeug-Beherrschung erkennt man erst im instabilen Fahrzustand.

Driften ist die Kunst, einen instabilen Zustand stabil zu halten.

Die alten Rallyekollegen Klaus Joachim „Jochi“ Kleint (links) und Walter Röhrl freuen sich, dass der Capri Mitte der 2010-er Jahre liebevoll restauriert wurde. Der „Kleint-RS“ wurde von Jochis älterem Bruder Ernie einst optimiert.

Die alten Rallyekollegen Klaus Joachim „Jochi“ Kleint (links) und Walter Röhrl freuen sich, dass der Capri Mitte der 2010-er Jahre liebevoll restauriert wurde. Der „Kleint-RS“ wurde von Jochis älterem Bruder Ernie einst optimiert. Foto: Krien

Trotz der großen Erfolge mit Opel, Lancia, Fiat oder Audi hat Röhrl „seinen“ Capri nie vergessen.

Die alten Rallyekollegen Klaus Joachim „Jochi“ Kleint (links) und Walter Röhrl freuen sich, dass der Capri Mitte der 2010-er Jahre liebevoll restauriert wurde. Der „Kleint-RS“ wurde von Jochis älterem Bruder Ernie einst optimiert. Foto: Krien

Die Eckdaten der Rallye.

Abschließend sein Ausblick auf den August: „Ich freue mich sehr, dass es zum 50-jährigen Jubiläum ein Olympia-Rallye-Revival geben wird. Und ich freue mich jetzt schon darauf, mit verschiedenen Autos aus meiner Karriere zu fahren. Gerne habe ich auch einige noch lebende Teilnehmer von damals eingeladen, vorausgesetzt sie besitzen noch die nötige Leidenschaft und haben nicht vergessen, wie das mit dem rechten Pedal funktioniert!“

[Text: Zwischengas - Fotos: jeweils siehe Bildunterschrift]