Der in der Gruppe 5 eingesetzte Zakspeed Turbo-Capri war bereits einige Mal Thema in der Capri aktuell. Das Auto mit dem ab Mitte der Saison 1980 erstmals im Tourenwagensport verbauten Diffusor, der den sogenannten „Ground Effect“ erzeugt, ist eine Legende. Eine Legende, die selbst heute noch aktuellen Rennwagen das Heck zeigen kann. Vorausgesetzt man hat einen einsatzfähigen „Zak“, einen befähigten Fahrer und eine Vergleichsmöglichkeit. Willkommen bei Mücke Motorsport.

Peter Mücke gründete 1998 ein eigenes Motorsportteam, in dem nicht nur er und sein Sohn Stefan an den Start gingen, sondern unter anderem auch der spätere Formel 1-Weltmeister Sebastian Vettel als Formel 3-Fahrer agierte. Bei Mücke wird neben aktuellem Rennsport auch historischer Rennsport betrieben. Die meisten Capri-Freunde wissen, dass die Berliner über jeweils einen einsatzfähigen Gruppe 2-RS und einen einsatzfähigen Gruppe 5-Zakspeed Turbo verfügen.

Im September 2020 kam es zu einem bemerkenswerten Zeitvergleich. An zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden war das Team Mücke auf dem Rennkurs im österreichischen Spielberg unterwegs. Stefan Mücke fuhr dort einmal den Audi R8 LMS in der GT3-Version, das Spitzenprodukt im Programm von Audi Sport „customer racing“. Und einmal den Zakspeed Turbo.

Stefan Mücke bewegt den Zakspeed „artgerecht“.

Stefan Mücke bewegt den Zakspeed „artgerecht“.

Mit dem Audi R8 LMS in der GT3-Version schaffte Mücke exakt die selbe Rundenzeit wie mit dem Oldie. Allerdings mit dem Capri im Verkehr und mit alten Reifen.

Mit dem Audi R8 LMS in der GT3-Version schaffte Mücke exakt die selbe Rundenzeit wie mit dem Oldie. Allerdings mit dem Capri im Verkehr und mit alten Reifen.

Exakt die identische Zeit

1:29,40 Minuten dauerte die Runde im Audi. Der Hammer: die Rundenzeit im Capri war bis auf die letzte Stelle identisch! In der Spitze fuhr Mücke mit dem Oldie sogar schneller als mit dem Ingolstädter. Noch eins obendrauf: „Die Rundenzeit beim Capri ist auf alten Reifen während eines freien Trainings gefahren worden, in der letzten Kurve war Verkehr. Die Rundenzeit vom Audi ist während des Qualifyings des GT Masters Rennen auf neuen Reifen gefahren worden“ berichtet Stefan Mücke. Seine Schlussfolgerung: „Der Capri müsste ohne Verkehr mindestens ein bis zwei Sekunden schneller sein als ein aktueller GT3!“

Das schreit nach Fragen an den Fahrer. Herr Mücke, wie kann es sein, dass ein Rennwagen aus dem Baujahr 1980 aktuellen Fahrzeugen voraus ist?

Stefan Mücke: „Es ist und bleibt wirklich beeindruckend, wie gut dieser Capri ist. Es ist ein radikales Rennauto und damit kein Vergleich zu heutigen Fahrzeugen, die nicht zuletzt reglementbedingt stark eingeschränkt werden. Allein die jetzt geltenden Sicherheitsstandards legen der Technik sozusagen Ketten an. So gibt es heute auch keine Rennserien mehr wie die damalige Gruppe 5. Einen Aufwand wie damals, einem Auto bis auf die Dachhülle, die A-, B- und C-Säule sowie die Spritzwand alles abzusäbeln und das Ding auf einen Aluminium-Rohrrahmen zu stellen, würde heute kein Hersteller mehr leisten können. Selbst im Vergleich zu DTM-Autos aus den 90er Jahren, die auch noch ,freier´von Zwängen der heutigen Zeit waren, ist der Zakspeed Turbo sauschnell.

Nur 880 Kilogramm Gewicht und dabei 540 PS! Da haben Thomas Ammerschläger und Erich Zakowski einen ganz großen Wurf hingelegt.“

Speziell Thomas Ammerschläger hat mit dem Diffusor und dem daraus resultierenden Abtrieb wohl etwas Revolutionäres geschaffen.

Stefan Mücke: „Genau so. Er war der Vorreiter für alle folgenden Entwicklungen dieser und ähnlicher Art. Vieles, was später im Rennsport gemacht wurde, baut auf Ammerschlägers Konzept auf. Er hatte absolut den richtigen Riecher zur richtigen Zeit.“

Öffentlicher Vergleich geplant

Die verglichenen Fahrten zwischen dem Capri und dem Audi im letzten Jahr fanden ja nicht an einem Tag und auch fernab der Öffentlichkeit statt. Wir Oldie-Freunde würden uns selbstverständlich wahnsinnig freuen, wenn es einen direkten Vergleich neu gegen alt bei freier Strecke mit optimaler Bereifung geben würde, wo Zuschauer möglich sind. Sehen Sie für so etwas eine Chance?

Stefan Mücke: „Das wird die Capri-Fans bestimmt freuen: sehe ich! Es gibt tatsächlich Gespräche zu diesem Thema. Wir basteln daran, im Rahmenprogramm der DTM 2022 einen solchen Vergleich vor Publikum zu fahren. Ich sag´ Bescheid, wenn es konkret wird.“

Sie fahren aktuelle Rennwagen und die beiden Capri-Renner. Sie sind bereits in der Formel 3 und der DTM gestartet, waren zwölfmal bei den 24 Stunden von Le Mans am Start. Hand aufs Herz: Wo pulsiert das Blut stärker? Und sagen Sie jetzt nix außer Capri...

Der Rundenvergleich aus Spielberg. Der Capri (rot) war in der Spitze schneller.

Der Rundenvergleich aus Spielberg. Der Capri (rot) war in der Spitze schneller.

Seit 2003 befindet sich das Fahrzeug im Besitz von Mücke Motorsport.

Seit 2003 befindet sich das Fahrzeug im Besitz von Mücke Motorsport.

Stefan Mücke: „Das sind natürlich total verschiedene Welten, ein klassisches Rennsportauto und ein aktuelles Fahrzeug. Heute verfügen die Autos über sehr viel mehr Technik. Es gibt viele sinnvolle Hilfsmittel, wobei ich etwa ABS und die Traktionskontrolle nicht zu den sinnvollen Sachen zähle. Moderne Rennwagen zu programmieren, das ist auch eine reizvolle Sache. Aber ganz klar: In einem Capri kann man als Fahrer noch deutlich mehr den Unterschied zum Konkurrenten machen. Da sind die eigenen Fähigkeiten des schnellen Fahrens viel entscheidender als heute. Allein mit diesem brachialen Turbo klarzukommen. Man fährt an, wie mit einem normalen Sauger, dann knallt plötzlich der Bumms rein und 300 weitere PS gehen wie irre los. Das ist wirklich eine große Herausforderung. Und macht tierisch Spaß!“

Die Geschichte dieses Zakspeeds

  • Originalfahrzeug aus der Deutschen Rennsportmeisterschaft 1980 bis 1982.
  • Ehemalige Teams: 1980-1981 Würth Zakspeed Team, 1982 Jägermeister Ford Zakspeed Team.
  • Seit 2003 befindet sich das Fahrzeug im Besitz von Mücke Motorsport. Der erste „Roll out“ fand im Oktober 2013 statt.

Seinen ersten Einsatz erlebte dieser Zakspeed Capri als Chassisnummer ZAK-G5C 001/80 in der Saison 1980 in der Division 1, im schwarzen Würth Design und Klaus Ludwig als Stammfahrer. Nachdem der große Heckflügel 1980 nach nur wenigen Rennen verboten wurde, musste man schnell reagieren. Thomas Ammerschläger, Konstrukteur und Erfinder des Zakspeed Capris, hatte bereits parallel im Windkanal ein „Ground Effekt“-Fahrzeug mit großen Diffusorschacht entwickelt. Man rüstete das Einsatzfahrzeug von Ludwig innerhalb kürzester Zeit um und startete schon beim nächsten Lauf mit Diffusorschacht und wieder kleinem Heckflügel. Ein grandioser Fortschritt, der sogar deutlich bessere Abtriebswerte erzielte als die verbotene Version.

Dieser Capri war somit das erste Fahrzeug der neuen Generation Zakspeed Capri mit Ground Effekt. Beim letzten Lauf zur deutschen Rennsportmeisterschaft in Hockenheim 1980 nannte man den Capri in beiden Divisionen, auch in der kleineren Division 2. Es war der Versuch, durch einen möglichen Sieg in der Divison 2 dem vormaligen Capri-Treter Hans Heyer, dem Führenden in der Meisterschaft, möglichst viele Punkte zu entwenden, um Ludwig noch eine theoretische Chance auf den Titel zu geben.

Durch den Wechsel von Division 1 auf Division 2 musste auch ein neu Wagenpass ausgestellt werden und somit wurde die Chassinummer von ZAK-G5C 001/80 auf ZAK-G5C 002/80 geändert. Diese Änderung ist auch noch heute am Fahrzeug zu erkennen.

1981 erfolgte dann der größte Erfolg des Zakspeed Capri. Jetzt im weißen Würth Design unterwegs, konnte Klaus Ludwig mit diesem Fahrzeug die Deutsche Rennsportmeisterschaft in der Division 2 gewinnen. Im Folgejahr kam der Capri noch bei weiteren vier Rennen im Jägermeister Design zum Einsatz, bevor er dann vom letztlich völlig erfolglosen Ford C100 abgelöst wurde.

[Text: Marc Keiterling - Fotos: Mücke Motorsport]