Top-Thema: 40 Jahre Ford Capri 2.8 injection

1981 lässt Ford den potentesten III-er als Volumenmodell von der Leine. Neben dem offiziell nur 200. Mal gebauten Werksturbo kommt der 2.8 injection, der bis zum Ende der Produktion im Programm bleibt, auf beachtliche Stückzahlen. Runder Geburtstag für ein starkes Stück - wir stellen dies 40 Jahre nach Produktionsanlauf in diesem Jahr in den Blickpunkt.

Dem „Zwoachter“ packte Ford eine immense Erwartungshaltung auf die Schultern. Er sollte als durchtrainierter Sportler nicht nur in die Fußstapfen des legendären „ZwosechserErrEss“ treten, sondern auch den Absatzzahlen neuen Schwung verleihen.

Eingepflanzt wurde ihm die Einspritzer-Variante aus dem Granada mit 160 PS. Innerhalb von acht Sekunden ist die 100er-Marke geschafft, die werksseitig angegebene Höchstgeschwindigkeit von 210 Stundenkilometern erreicht er ohne Anstrengung.

Der Sound im Innenraum ist dabei angenehm wohlig-rau, das Potenzial gut hörbar und dennoch kultiviert. Die Fahrleistungen erfordern unter anderem ein härter abgestimmtes Fahrwerk, eine straffere Federung durch die hintere Einblattfeder, sowie ein Bremsdruckregelventil gegen vorzeitiges Überbremsen der Hinterachse. Hochwertige Recaro-Sitze erhält außer ihm nur der Werks-turbo, die Alus im „Käseloch-Design“ sind später ausschließlich beim 2.8-er zu finden, eine Servolenkung gehört zur Serienausstattung.

Preisschlager zur Präsentation

Außerdem gelingt Ford zur Präsentation ein echter Preisschlager. Für 25.950 D-Mark gibt es in diesem Jahr kein weiteres Auto in der Klasse „Schneller als 200 Stundenkilometer“. Dies honoriert die Kundschaft, im ersten Produktionsjahr kommt es durchaus zu Wartezeiten, weil sämtliche sich in Produktion befindenden Exemplare bereits ein „Verkauft“-Schild tragen.

40 Jahre 2.8i - der CCD hat seine Datenbank durchforstet und die sich darin befindlichen Mitglieder angeschrieben, die ein Exemplar aus dem Präsentationsjahr besitzen. Die Bitte: Erzählt uns etwas über Euer Auto. Und, bitte!

Karlheinz Frank: Ich habe das Auto im Juli 2014 in teilrestauriertem Zustand gekauft. Der Vorbesitzer hat zuvor zehn Jahre daran geschraubt. Dann wollte er heiraten und ein Haus bauen und deshalb verkaufte er schweren Herzens seinen Capri an mich, um ihn in gute Hände weiterzugeben.

Ich machte mich sofort daran, die letzten Arbeiten - vor allem an der Technik (Elektrik, Bremsen, Vorderachse, Stirnräder und mehr) zu vollenden. Der 2.8-er Capri war schon immer mein Traum.

Ich weiß noch gut, ich war „Stift“ im dritten Lehrjahr bei Ford, als der erste Capri mit 160 PS bei uns auf dem Hof anrollte und wir die Ablieferungsinspektion durchführen durften. Für alle Mitarbeiter war es das Auto mit dem „Wow“-Effekt.

Karlheinz Frank steuert gern Treffen an und nimmt an Ausfahrten teil.

Karlheinz Frank steuert gern Treffen an und nimmt an Ausfahrten teil.

Nachdem ich alle noch notwendigen Arbeiten durchgeführt hatte, ging es natürlich fix auf die Straße. Bei einem Oldtimertreffen in Augsburg wurde ich von einem Vater angesprochen, ob ich mal den Motor anwerfen kann. Er hatte seinem Sohn immer von dem tollen Sound eines 2.8i vorgeschwärmt, aber hatte bis zu diesem Tag keine Gelegenheit, dies einmal gemeinsam zu hören. Diese Bitte wurde natürlich gerne erfüllt. Da haben sich gleich mehrere Menschen gefreut, Vater und Sohn und ich.

Solche und ähnliche Reaktionen mit dem Capri erfreuen mich und meine Frau natürlich sehr. Oft wird uns auch der „Daumen hoch“ gezeigt, wenn wir unterwegs sind. Ein besonderer Tag war auch, als wir dem Vorbesitzer den Wagen als Hochzeitsauto zur Verfügung stellten.

Der Vorbesitzer von Karlheinz Franks 2.8i verkaufte das Auto unter anderem aufgrund der bevorstehenden Heirat. Als Hochzeitsauto sah er seinen Capri dann wieder.

Der Vorbesitzer von Karlheinz Franks 2.8i verkaufte das Auto unter anderem aufgrund der bevorstehenden Heirat. Als Hochzeitsauto sah er seinen Capri dann wieder.

Solche Geschichten machen Spaß. Spaß hatte ich auch bei einer Oldtimerrallye, als ich von einem Zuschauer dies aufschnappte: „Schau - ein Ford Manta“.

Anja Merbach: Am 29. April 1981 wurde mein grüner 2.8i über den Ford-Haupthändler Porisch in Erlangen an seinen Erstbesitzer aus Herzogenaurach ausgeliefert. Es war der einzige in grün, der dort bestellt wurde. Der Capri wurde nur bei schönem Wetter für eine Sonntagsfahrt aus der Garage geholt. Zur Arbeit fuhr der Besitzer mit dem Bus.

Jeder Kundendienst und Servicecheck wurde bei Porisch ausgeführt. Die letzte Inspektion war laut Stempel bei 80299 Kilometern am 21. Juni 1990. Alle Papiere und Servicehefte, Bedienungsanleitung und Metallidentitätskarte, mit denen der Capri ausgeliefert wurde, sind vorhanden.

1991 erkrankte der Besitzer, der Capri stand angemeldet und mit einer Vollkaskoversicherung versehen in einer beheizten Garage. Auf einer seiner letzten Ausfahrten hatte der Capri einen Unfall. Der rechte Kotflügel, Motorhaube und Abschlussblech wurden erneuert und lackiert. Leider traf der Lackierer den Farbton Lightgreen-Metallic nicht, der Farbunterschied war sehr groß.

Ford-Empfehlung: Schrottplatz

Anfang 2000 verstarb der Besitzer. Die Witwe bot den Capri den Ford-Werken als Ausstellungsstück an. Da denen damals geschenkt offenbar als noch zu teuer erschien, wurde der Frau nach ihrer Darstellung die sachgerechte Entsorgung auf dem Schrottplatz empfohlen. Am 16. Oktober 2000 wurde der Capri abgemeldet. Über das Autohaus Porisch wurde danach ein Kontakt zu einem anderen Ford-Händler hergestellt. Ein dort beschäftigter Kfz-Meister kaufte den Capri und stellte ihn bei seinem Chef unter. Gefahren und zugelassen hat er ihn nicht.

Durch einen Zufall bekam ich im August 2002 Kontakt zu diesem Mann. Ich wusste nur, dass er einen 2.8i hat. Es hieß, der Wagen sei nicht zu verkaufen. Wer mich kennt – da lasse ich nicht locker. Im September 2002 durfte ich wenigstens mal zum „Schauen“ kommen. Wir fuhren also mit unserem silbernen 2.3-er los. Unterwegs sagte ich noch so in die Fahrt hinein: „Eigentlich ist mir die Farbe egal. Hauptsache nicht grün“.

Ein Bild vom 2. Oktober 2002. An diesem Tag holte Anja ihren noch zwei Monate zuvor „unverkäuflichen“ 2.8i ab.

Ein Bild vom 2. Oktober 2002. An diesem Tag holte Anja ihren noch zwei Monate zuvor „unverkäuflichen“ 2.8i ab.

Und dann stand er da, in eben dieser Farbe - trotzdem wollte ich ihn nur noch haben. Am 2. Oktober 2002 holten wir ihn ab.

Nach der Winterpause wurde der Capri über das Osterwochenende 2003 für die mittlerweile notwendige Vollabnahme vorbereitet, die am 23. April ohne Mangel erfolgte. Zwei Tage später wurde er auf das Kennzeichen FÜ-BJ 81 zugelassen. Seit 21. Oktober bewege ich ihn mit dem Oldtimersammelkennzeichen FÜ-07041.

Gleich nach der Zulassung, ab dem 26. April 2003, wurde der 2.8i komplett zerlegt, lackiert und am 3. Mai wieder komplettiert. Am 15. Mai folgte die finale Politur, die Zierstreifen wurden aufgeklebt.

Über den Begriff „Originalzustand“ gibt es viele Meinungen. Unserer ist nach meiner Auffassung schon mal kein Originaler mehr, weil er lackiert wurde. Wenngleich mit dem zeitgenössischen Autolack und nicht auf Wasserlack-Basis. Außerdem hat er geschwärzte Scheinwerfer und weiße Blinkergläser bekommen. Beides damals in Ermangelung von jeweils zwei farbidentischen Exemplaren. Mittlerweile hätten wir die Neuteile, aber er gefällt uns, so wie er ist.

„Beschissenes Grün!“

Wir waren bis heute auf unzähligen Treffen, Veranstaltungen, Messen und Ausstellungen. Jede Veranstaltung war auf ihre Art schön. Ein besonderes Erlebnis war das Treffen der Free Drivers am letzten Juli-Wochenende 2004. Ich machte bei der Fahrzeugbewertung mit. Acht Bewerter prüften alles haargenau. In unserer Prüfkategorie waren über 80 Capris. Unser grüner 2.8i hat tatsächlich den ersten Platz im Wettbewerb „Schönster Capri III“ belegt. Und zwar als einziger mit zehn von zehn möglichen Punkten. Also da war ich schon mächtig stolz!

Eine lustige Anekdote habe ich noch. Ich habe an einem Radiogewinnspiel des Senders Charivari 98,6 Nürnberg teilgenommen. Am Ende fragte der Moderator Gerald Kappler: „Was machst Du sonst noch am Wochenende?“ Ich: „Wir fahren mit unserem Ford Capri auf ein Oldtimertreffen.“ Kappler: „Aaahhhh, Ford Capri kenne ich noch von früher. Die gab es doch in so einem beschissenen Grün. Welche Farbe hat Deiner?“ Ich: „Beschissenes Grün!“ Die drei Moderatoren und ich haben gebrüllt vor Lachen. Der Beitrag wurde an dem Tag stündlich wiederholt. Über diesen Farbton haben wir schon oft gelacht.

Im neuen Lack mit geschwärzten Scheinwerfern und weißen Blinkergläsern. Zunächst nur in Ermangelung guter Originalteile montiert, gefallen sie Anja längst.

Im neuen Lack mit geschwärzten Scheinwerfern und weißen Blinkergläsern. Zunächst nur in Ermangelung guter Originalteile montiert, gefallen sie Anja längst.

Eine komplett erhaltene Dokumententasche inklusive Metallidentitätskarte ist selten.

Eine komplett erhaltene Dokumententasche inklusive Metallidentitätskarte ist selten.

„Ich habe alles genau ausgemessen, damit die Zierstreifen wieder auf den Millimeter aufgeklebt werden konnten. Die Zierstreifen habe ich damals in England bestellt. Natürlich noch einen zweiten Satz, falls mal was ist“, sagt Anja.

„Ich habe alles genau ausgemessen, damit die Zierstreifen wieder auf den Millimeter aufgeklebt werden konnten. Die Zierstreifen habe ich damals in England bestellt. Natürlich noch einen zweiten Satz, falls mal was ist“, sagt Anja.

Die „Käseloch-Felge“ ist dem 2.8i vorbehalten.

Die „Käseloch-Felge“ ist dem 2.8i vorbehalten.

Warum ist der 2.8i nun der Capri für mich? Viele von Euch wissen, dass ich mehrere Capris besitze. Ich fahre sie alle sehr gern. Dennoch ist der „Zwoachter“ mein Lieblingskind, er war eben schon immer mein Traum. Und ganz grundsätzlich: Der Capri ist absolut Kult und ein Statement der 80-er!

[Text: Marc Keiterling & Besitzer - Fotos: Karlheinz Frank, Anja Merbach & Christian Bittmann]