Zur Rubrik „Mottenkiste“ hat auch Welf Hoffmann der Capri aktuell einige Erinnerungen und mehrere Bilder zukommen lassen.

Der ab 1970 gebaute 2600 RS war das Basismodell für die Homologierung als Rallye- und Rennfahrzeug. Bis zu seinem Ausfall fuhr der damalige Nachwuchsmann Walter Röhrl 1972 bei der Olympia-Rallye mit dem „Zwosechser“ der etablierten Konkurrenz reichlich um die Ohren. In den Jahren 1994 bis 1996 nahmen Welf Hoffmann und Beifahrer Rainer Holte mit einem vergleichbaren Fahrzeug an der AvD Histo-Monte teil.

1994 ins Leben gerufen war es ein schönes Treffen alter Rallyefahrzeuge mit einer Ausfahrt von Bad Homburg nach Offenbach zu Volvo Deutschland und zum Opel Testgelände in Dudenhofen. In den Steilkurven ließ Welf bei Opel seinem Ford freien Lauf und es zeigte sich, warum der RS in den frühen 70er Jahren das Maß aller Dinge war.

1995 mit sportlichem Charakter

1995 war Stuttgart Start- und Zielort der AvD Histo-Monte. Die Schwabengarage in Ludwigsburg unterstützte Welf Hoffmann und Rainer Holte. Unter anderem konnten sie ihren Trailer dort unterbringen. Der sportliche Charakter stand im Vergleich zum Vorjahr deutlich stärker im Blickpunkt. Es ging jetzt über anspruchsvolle Gleichmäßigkeitsprüfungen wie die Rennstrecke Solitude und verschneite Wertungen im Hochschwarzwald. Das Technikmuseum in Sinsheim war ein spannendes Etappenziel.

Viele Etappen in der Dunkelheit sorgten bei der Capri-Besatzung für kuriose Momente. In tiefster Dunkelheit ging es etwa auf einer vierspurigen Bundesstraße so lange geradeaus, bis Beifahrer Rainer Holte von seinem Bordbuch aufsah und sich fragte, warum er die durchzogene weiße Linie rechts erblickte.

Der gemeinsame Abend im Fernsehturm Killesberg mit bekannten Namen aus der Mercedes-Rennsportvergangenheit wie Kling und Mahle rundete die Veranstaltung mit der Siegerehrung im Mercedes Benz-Museum ab.

1996 folgte als Höhepunkt für diesen Capri RS mit Start und Ziel in Bad Homburg eine Histo-Monte, die in den WM-Lauf der Rallye Monte Carlo eingebunden war. Auf der Startrampe stellte RTL-Fernsehmoderator Björn Hergen Schimpf den nordfriesischen Capri und seine Besatzung vor.

Welf Hoffmann und Rainer Holte machten sich auf den Weg zum Zwischenziel nach Pirmasens. Bergauf und bergab durch den Taunus. Der Beifahrer vollauf beschäftigt mit Bordbuch und Tripmaster. Es folgte dieser Dialog.

„Läuft nicht mehr!“ „Fährt doch!“

Fahrer: „Läuft nicht mehr!“ Beifahrer: „Fährt doch!“ Fahrer: „Geht bergab.“ Beifahrer: „Aha.“ Kurzum, der Capri rollte im stockfinsteren Wald aus, die erste Panne in drei Jahren.

Mit Hilfe des AvD-Pannendienstes, der als Schlusswagen fuhr, bekam Fahrer Welf Hoffmann sein Coupé wieder fit. In der Zwischenzeit verinnerlichte Beifahrer Rainer Holte die Topographie der Fahrtstrecke und dann ging es mit Ansagen rechts oder links als auch bergauf und bergab zügig dem Feld hinterher. Dem Schlusswagen boten sie damit einen sehr unterhaltsamen Veranstaltungstag.

Fahrer Welf Hoffmann und Co-Pilot Rainer Holte 1994 auf der Startrampe in Bad Homburg.

Fahrer Welf Hoffmann und Co-Pilot Rainer Holte 1994 auf der Startrampe in Bad Homburg.

In den Jahren 1994 bis 1996 sorgte dieser Capri für Aufsehen.

In den Jahren 1994 bis 1996 sorgte dieser Capri für Aufsehen.

Die Wochenschau Nordfriesland berichtete 1995 über das Duo aus Husum.

Die Wochenschau Nordfriesland berichtete 1995 über das Duo aus Husum.

In Warteposition vor einer Wertungsprüfung in der winterlichen Pfalz.

In Warteposition vor einer Wertungsprüfung in der winterlichen Pfalz.

Im Zwischenziel in Pirmasens wunderte sich die internationale Rallye-Elite das viele Zuschauer auch nach Ankunft der Top-Teams geduldig ausharrten. Sehr, sehr viele Ford-Freunde der Pfalz warteten auf den Capri aus dem Norden. Somit kam dieser spät, aber laut umjubelt an. Den etablierten Rallyefahrern mussten Hoffmann und Holte dann erst einmal erklären, dass nicht sie, sondern der 2600 RS Anlass des Jubels war. Kein Wunder, dass dieses Auto mit seiner nordfriesischen Besatzung vielen Rallyekollegen im ln-und Ausland in sehr guter Erinnerung geblieben ist.

Noch am Abend haben Fahrer und Beifahrer den Tripmaster neu justieren müssen, um am nächsten Tag auf Gleichmäßigkeitsprüfungen in der Pfalz und in den Vogesen ein für Flachländer achtbares Ergebnis zu erzielen.

Bei den Durchfahrten der verschiedenen Orte waren die historischen Rallyefahrzeuge stets dicht umlagert.

Bei den Durchfahrten der verschiedenen Orte waren die historischen Rallyefahrzeuge stets dicht umlagert.

Bei den Durchfahrten der verschiedenen Orte waren die historischen Rallyefahrzeuge stets dicht umlagert.

[Text: Marc Keiterling & Welf Hoffmann - Fotos: Welf Hoffmann]