Franz Kiel war als Modellbauer in die Entwicklung des Capri involviert. Die kleinen Bilder stammen aus dieser Zeit.
Zeitzeugen-Besuch beim CCD-Mitgliedertreffen 2026. Erst besuchte uns Waltraud Stöhr-Odenthal auf Einladung Manfred Borgert. Hier geht es um einen Mann, der den Capri einst mit „in Form“ brachte.
Zunächst ein Jahr zurück. Classic Cars Mondorf 2025. CCD-Mitglied Rolf Hohmann ist mit Ehefrau Sigrid und einigen weiteren Capri-Kollegen am Start. Da stellt sich ihnen ein jüngerer Herr, begleitet von einem älteren Herrn, vor. „Mein Vater kann Euch so einiges zum Capri erzählen“, sagt Angelo Kiel. Vater Franz war jedoch nicht „nur“ ein Besitzer früherer Tage. Nein, er legte beim I-er einst selbst richtig Hand an.
„Ich bin gelernter Modellbauer und arbeitete ab Mitte der 50er Jahre im Ford-Entwicklungszentrum in Köln-Merkenich. Dort waren wir für die Modellierung von Tonmodellen zuständig“, erklärt der heute 88-Jährige. Bis in die Gegenwart wird mit dieser Methode gearbeitet. Tonkünstler sind es, die da am Werk sind. Gewissermaßen die „Bildhauer im Automobilbau“. Männer wie Franz Kiel. Modellbauer sind Meister ihres Fachs. In Zusammenarbeit mit dem Designer zeichnen sie ihre Skizzen in Ton. Dabei schöpfen sie aus ihren künstlerischen Qualitäten und ihrer Erfahrung. Gleichzeitig müssen sie sich perfekt mit dem Designer abstimmen. Ihre Tonarbeiten werden später in Kunststoff übertragen und diese Modelle dienen dann der Präsentation etwa beim Vorstand.
Henry Ford II stimmte per Tritt ab
„Henry Ford II sah sich auch Tonmodelle schon einmal gerne in Köln vorab an. Dann stimmte er zeitweise buchstäblich ,mit dem Fuß‘ ab. Wenn ihm ein Entwurf nicht gefiel, trat er einfach zu. Damit war allen klar: so wird es nicht aussehen“, erinnert sich Franz lächelnd. Wie war es nun konkret beim Capri? „Ford in England hatte die Vorarbeit geleistet. Den Entwürfen fehlten noch die Sicken an den Seiten, die ich für ganz wesentlich für dieses Modell halte. Es war zu diesem Zeitpunkt noch kein Buckel auf der Motorhaube für die V6-Motoren entworfen. Auch das Heck war viel steiler als später in der Serie. Wir haben in den folgenden rund neun Monaten die später zu sehenden Veränderungen vorgenommen. Abgesehen von den hinteren Seitenfenstern. Die waren eckig und in dieser Form entstanden die ersten fahrbaren Prototypen. Dies wurde später noch geändert“, blickt Franz Kiel zurück.
Das bereits erwähnte Kunststoffmodell wurde letztlich, versehen mit allen Anbauten wie Stoßstangen, Scheinwerfern oder Türgriffen der Chefetage präsentiert. Die Herren aus Europa und den USA hoben den Daumen, die Serie konnte anlaufen.
„Ich besaß natürlich selbst auch einen dieser Capri. Es war ein 1500-er, den ich außer der Reihe mit der Buckel-Haube versah. Weiße Farbe mit schwarzem Vinyldach. Auch meine Frau hat ihn geliebt, wir haben den Wagen rund zehn Jahre besessen“, sagt Franz. Und betont: „Für mich ist der Capri bis heute ein Traum! Das schönste Auto, an dem ich jemals gearbeitet habe. Es ist einfach eine wunderbare Form.“ Klartext zum heutigen Elektro-Capri: „Das ist schlicht und einfach eine Schande!“
Dass Franz Kiel zum Mitgliedertreffen am Nürburgring reiste, geht auf das erwähnte Ehepaar Hohmann zurück. Sigrid und Rolf waren vom Zeitzeugen so begeistert, dass sie den ersten Kontakt hielten und ihn in die Eifel lotsten. Auch beim einstigen Modellbauer war die Freude riesengroß, als er die gut 80 Capri in der Sonne glänzen sah. „Das ist wirklich phantastisch“, schwärmte er. Die Begeisterung steigerte sich noch, als er am Steuer des RS von Manfred Borgert Platz nehmen durfte. Sie kannte schließlich keine Grenzen mehr, als Peter Bauke den beneidenswert rüstigen Mann auf den Beifahrersitz seines Dreiliters bat und mit ihm eine Runde durch das Fahrerlager drehte. „Es war für mich ein wundervoller Tag“, resümierte er schließlich. Für Sigrid Hohmann gab es noch ein Geschenk. Franz Kiel hatte seinen originalen schneeweißen Kittel aus der Zeit bei Ford mitgebracht und schenkte ihr das wertvolle Stück.
Sigrid und Rolf Hohmann luden Franz Kiel zum Mitgliedertreffen am Ring ein. Den originalen Ford-Kittel, den Franz hier trägt, besitzt nun Sigrid.
[Text: Marc Keiterling - Fotos: Marc Keiterling & Ford Werke]








