„Wer sich mit Durchschnitts-Autos nicht zufriedengibt, wer sich vom Durchschnitt unterscheiden möchte, der wird an einem Ford Capri der Serie `76 kaum vorbeikommen.“
So jubelte ein hauseigener Prospekt über den modellgepflegten II-er, der vor gut 50 Jahren bei den Händlern debütierte. Nun ja, die Veränderungen zum „Ur II-er“ waren aus damaliger Sicht nicht so gravierend ausgefallen. Heute sind es diese Feinheiten, die einen genauen Blick auf die Veränderungen dieser Baureihe lohnen.
Von außen betrachtet sind die „Späten“ von den „Frühen“ in erster Linie durch ihre Bezeichnung und die entfallene „Wappenfolklore“ zu erkennen. Ford versachlichte seinerzeit seine Modellpalette. So verlor der Taunus seine Knudsen-Nase, Consul und Granada wurden zum „Granada ´76“ zusammengelegt. Bei diesen Brüdern entfielen ebenso wie beim Capri fortan die Ausstattungsvarianten XL und GT. Der Capri war nun in den neuen Ausstattungen GL und S sowie weiterhin als L und Ghia lieferbar. Die schildförmigen Wappen auf den Kotflügeln wichen außerdem nüchternen Ziffern.
Innen hatte sich vor 50 Jahren mehr verändert. So verfügte der Basis-L auch über einzeln umklappbare Rücksitzlehnen und nicht wie zuvor über eine nur komplett umlegbare Lehne. In dieser Variante war nun auch der Gepäckraum mit Teppich ausgelegt.
GL - das steht wohl für „Ganz Leer“
Im GL - Spötter sprechen hier angesichts von grundsätzlich nicht vorhandenen Dingen wie einem rechten Außenspiegel, einem Drehzahlmesser, einem Tageskilometerzähler und einem Heckscheibenwischer von der Buchstabenbedeutung „Ganz Leer“ - befanden sich nun Einzel-Ruhesitze mit verstellbaren Kopfstützen und einer ausgeprägteren Seitenführung. Der Prospekt hob außerdem die Kontrollleuchte für die Handbremse und die Beleuchtung des Gepäckraums hervor. Auch die Felgenzierringe, die Seitenleisten mit Gummieinlage sowie die H4-Halogen-Hauptscheinwerfer fanden Erwähnung. Auf Wunsch und gegen Mehrpreis war für den GL neu der 2.0-Liter-V6-Motor mit 90 PS zu haben.
Eine Karte aus dem Ford-Archiv in Köln. Sie zeigt den II-er während der Erprobung auf dem Testgelände im belgischen Lommel. Der Testkandidat trägt noch kein Kotflügelemblem. Dies waren zunächst Wappen und ab 1976 Ziffern (siehe Ausschnitt). Die Ausstattungen XL (im Bild) und GT entfielen vor 50 Jahren. Sie wurden durch GL (im Bild) und S ersetzt.
Ein früher II-er in einem hellen Blauton und mit Radkappen auf den Stahlfelgen. Die Nebelscheinwerfer waren selbstverständlich aufpreispflichtig. Druckschalter für Licht und Scheibenwischer an der unteren Kante des Instrumententrägers.
Ein später II-er in einem dunklen Blauton und mit Stahlsportfelgen. Die Felgenzierringe waren Teil der 1976 neu eingeführten GL-Ausstattung. Licht und Scheibenwischer werden nun über die Drei-Hebel-Anordnung bedient.
Der Capri im S-Tuning war optisch durch die entsprechenden Zierstreifen, das S vor der Hubraumangabe, den „Hochgeschwindigkeits-Spoiler“ am Bug sowie die mattschwarzen Stoßstangen und Außenspiegel erkennbar. Auch die Schweller waren schwarz. Serienmäßig mit dem 2.0-Liter-V6-Motor mit 90 PS. Geordert werden konnten aber auch der 2.3 und 3.0 Liter. Beim S hatten Gasdruck-Stoßdämpfer die Hinterachse unter Kontrolle. Die Aluminium-Sportfelgen reduzierten das Gewicht der ungefederten Massen. Spezielle Sportsitze mit höhenverstellbaren Kopfstützen sollten, so das Versprechen, in jeder Fahrsituation sicheren Halt geben.
Die Luxusklasse Ghia bot weiterhin die bereits zuvor bekannten Spezialitäten der hochwertigeren Innengestaltung.
Am „Arbeitsplatz“, also rund um das Lenkrad, hatten die Ingenieure spürbar eingegriffen. Alle primären Funktionen waren nun in einer Drei-Hebel-Anordnung zusammengefasst. Die bisherige Lösung mit Druckschaltern für Licht und Scheibenwischer an der unteren Kante des Instrumententrägers hatte ausgedient. „So kann der Fahrer die Hände am Steuer behalten, wenn er Licht, Scheibenwischer, Hupe oder Lichthupe betätigt. Ein Beitrag zur Bequemlichkeit, aber auch zur Sicherheit“, zählte Ford seinerzeit auf.
Erkauft wurde die Verbesserung allerdings bei eingeschaltetem Fahrlicht durch den in dieser Position in den Sichtbereich der Instrumente hineinragenden Lichthebel, insbesondere bei der Variante mit Drehzahlmesser.
Zum Modelljahr 1976 debütierte die Ausstattung S im Capri. Die Autos waren äußerlich durch die schwarzen Akzente gut erkennbar. Innen zog das S-Lenkrad vor dem großen Armaturenbrett den Blick auf sich.
[Text: Marc Keiterling - Fotos: Ford Werke, Gargolov & Bittmann]









